FARID:

Du gehst zu einem Blind Date. Woran erkenne ich Dich?
Blind Dates sind scheiße!

Du gewinnst eine Million DM im Lotto. Was machst Du damit?
Sinnvoll ausgeben.

Du darfst Dir eine Rolle in einer TV-Serie aussuchen. Wen würdest Du gern spielen und warum?
Cassie.

Deine CD-Sammlung wird geklaut. Welche CD würdest Du am meisten vermissen?
Schon passiert: Vermisse eine Special-CD von Peter Gabriel!

Dein Traumpartner will Dich zum erstem Mal zu Hause besuchen. Was kochst Du?
Thailändisches Curry.

Geboren: 26.05.74 in Teheran
Wohnort: Düsseldorf
Job: Musik
Grösse: 1,80 m
Gewicht: 78 kg
Augenfarbe: Braun
Hobbys: Viele



ROLF:

Du gehst zu einem Blind Date. Woran erkenne ich Dich?
Blind Date?

Du gewinnst eine Million DM im Lotto. Was machst Du damit?
Zu den anderen vier stellen.

Du darfst Dir eine Rolle in einer TV-Serie aussuchen. Wen würdest Du gern spielen und warum?
Kenne leider keine TV Serien.

Deine CD-Sammlung wird geklaut. Welche CD würdest Du am meisten vermissen?
SIch würde mir sofort das Leben nehmen.

Dein Traumpartner will Dich zum erstem Mal zu Hause besuchen. Was kochst Du?
Spaghetti.

Geboren: 06.03.74
Wohnort: Düsseldorf
Job: Musikmacher
Grösse: 1,82 m
Gewicht: Unbekannt
Augenfarbe: Blau
Hobbys: Musikmachen



Thanks to Sputnik of MDR




"WIR WOLLEN KEINE TRENDS ABSCHÖPFEN"



Rolf Maier-Bode und Farid Gharadjedaghi sind mit ihren
22 Jahren bereits seid über drei Jahren eine feste Größe in der Techno/Rave-Szene.
Mit ihrem Projekt RMB und Hits wie "Redemption" oder "Reality" machen sie ebenso von
sich reden wie durch ihr öffentliches Engagement für Greenpeace und gegen Drogen.
Im Umland von Düsseldorf bewohnen die beiden Musiker ein großzügiges, rustikales Haus,
in dem sich neben den Privaträumen auch zwei Studios in den Kellerräumen und ein Büro
mit Ganztages-Assistentin befinden.

KEYS: Ist es nicht anstrengend, neben der ganzen Arbeit und den Auftritten, die euch verbindet, auch noch
zusammen unter einem Dach zu wohnen?

ROLF: Natürlich gibt es da immer wieder Streß, da wir enger zusammenleben, als in irgendeiner WG,
und oft sehen wir uns monatelang fast 24 Stunden am Tag. Aber am Anfang unserer Musikerlaufbahn
war es für uns billiger als zwei separate Wohnungen plus Studio zu mieten. Mittlerweile
ist es so einfach praktischer und wir sparen uns eine Menge Zeit.
Wir stehen morgens auf und gehen einfach 2 Stockwerke tiefer ins Studio.

KEYS: Farid, stört es Dich nicht, daß der Projektname RMB nur aus Rolfs Initialen besteht?

FARID: Nein. Zu Anfang hatte ich mehr Manager-Funktion und bin in das eigentliche produzieren
der Musik erst nach und nach mit reingerutscht. Rolf und ich haben uns 1993 kennengelernt.
In dieser Zeit habe ich mit einigen anderen das Techno-Label Adam & Eve aufgebaut,
das sehr erfolgreich war. Adam & Eve war zusammen mit Bonzai und Harthouse das führende
Label in diesem Bereich. Low Spirit gab es zwar schon länger, sie hatten aber zu dieser
Zeit noch nicht so viel Erfolg. Rolf war bei Adam & Eve der Hauptact, und wir hatten
uns damals schon als Bezeichnung für den Act die drei Anfangsbuchstaben seines Namens
ausgesucht. Sowohl Rolf als auch ich waren bald mit diesem Label nicht mehr zufrieden,
deshalb wechselten wir beide zu Le Petit Prince und kurze Zeit später zu Low Spirit.
Zu dieser Zeit produzierten wir bereits gemeinsam behielten aber den Namen RMB bei.

KEYS: Mit Eurem Vertragsabschluss bei Low Spirit kam dann auch der große Erfolg...

FARID: Zuerst machten wir einen Remix für Westbam, dann für Marushas "Somewhere Over The Rainbow".
Kurz darauf kam unsere erste Single "Redemption", die zum Erstaunen aller die Top 20 der
Verkaufshitparade erreichte. Eigentlich war RMB nicht ein Projekt, von dem wir dachten,
dass es uns die nächsten paar Jahre voll beschäftigen würde,
aber der Erfolg hat uns fast dazu gezwungen.

KEYS: Jetzt werden aber viele sagen, daß Ihr kommerzielle Hitparadenmusik macht.

FARID: In Deutschland gibt es eigentlich nur Neider. Wenn Du Erfolg hast bist Du erst einmal ein
Idiot, und wenn Du auch noch mit Musik Erfolg hast, die eigentlich szenegebunden ist, erst
recht, In den USA ist es ganz anders: Wenn Du da Erfolg hast, dann sagt die eine Hälfte "geil,
dieser Erfolg" die andere Hälfte sagt "Respekt". Dieses "Respekt" fehlt den Deutschen leider
ganz. Hier will jeder dem anderen nur eins reindrücken. Durch dieses ganze Undergound-Overground-
Gefrickle wird soviel kaputt gemacht. Hier ist alles so furchtbar ernst. Stell Dir mal vor,
wir würden uns vor einem dicken S-Benz fotografieren lassen oder uns in einem Video mit
15 Schlampen am Pool räkeln. In der USA ist diese Art von Show ganz normal, aber hier wäre
das eine Katastrophe. Jeder, der Musik macht will doch, daß sie möglichst viele Leute hören,
sonst gäbe es ja keinen Grund sie auf einen Tonträger zu pressen. Sonst könnte man es ja gleich
nur seiner Oma vorspielen und zufrieden sein. Je mehr Platten du verkaufst, desto besser,
denn desto mehr Leute wollen offentsichtlich deine Musik hören. Darum geht es,
alles andere ist an den Haaren herbeigezogen.

ROLF: In Deutschland braucht man immer irgendwelche Vergleiche.
Die brauchen immer etwas schon Dagewesenes, um mit etwas Neuerm fertig zu werden.
Ich verstehe auch nicht die Vergleiche zwischen Kraftwerk und frühen Elektronikgruppen und
dem Techno-Stil der modernen synthetischen Dancefloor-Musik. Das hat überhaupt nichts
miteinander zu tun, außer daß sie ähnliche Geräte benutzen. Aber eine Funk-Combo hat auch
nichts mit Jimi Hendrix zu tun, nur weil sie mit einer Gitarre spielen. Kraftwerk waren
vielleicht die ersten, die modifizierte Taschenrechner dazu benutzten, synthetische Klänge
herzustellen. Aber bei Techno geht es um etwas ganz anderes: Die Masse zum Toben zu bringen.

FARID: Diesen sogenannten Kritikern möchten wir auch gerne noch sagen, daß wir stets auch alte
Nummern veröffentlicht haben, die teilweise vor einigen Jahren richtige Underground-Scheiben
waren. Wir haben immer nur "Just for Fun" produziert, daher knüpft auch keine Single an
die vorhergehende an, und es wird auch kein durchgängiges Erfolgs-Strickmuster erkennbar sein.

KEYS: Wieso gibt es noch keine neue Single von euch?

FARID: Wir haben viele Stücke produziert, aber das, was uns am besten gefiel ist auf ziemliches
Unverständnis der Plattenfirma gestossen, die natürlich gerne wieder ein Top-Ten Stück wie
"Spring" hätte. Wir haben Techno mit Drum´n´Bass und TripHop verbunden und mit sehr getragenem
Gesang versehen. Diese Mischung klingt nicht gerade nach Hitparade und könnte genausogut nach
hinten losgehen. Aber wir hatten Lust darauf, und es war uns egal, ob wir wieder in den Charts
oben sind - Hauptsache wir haben was neues gemacht. Die Plattenfirma sieht es eben anders,
aber noch ist nichts definitiv entschieden. Wenn du Erfolg hast, bist Du letztlich immer
in deiner Kreativität beschränkt.



KEYS: Auf eine zweite LP warten die Fans ja auch schon ziemlich lange.

ROLF: Das ist ja das Hauptargument des Labels. Die nächste Single soll die darauffolgende LP
in den Verkäufen nach oben ziehen. Wenn sich die Single aber schlecht verkauft, verkauft
sich die LP erst recht nicht. Wer aber eine LP im Schrank stehen hat, kennt den Act,
wer bloß eine Single im Schrank stehen hat, kennt nur das Lied. Deshalb zweifeln wir selbst,
ob wir uns mit unserer Wunschsingle nicht längerfristig schaden würden. Es geht dabei
nicht um Geld, sondern darum, daß wir als Act und Musiker bekannter werden wollen. Wollten wir
lediglich schnell Geld machen, würden wir einfach ein paar Nummern im Pizzicato-Stil machen.

KEYS: Aber für ein paar Faithless-Epigonen wie Future Breeze oder
Three´n One produziert ihr schon Remixe.

FARID: So etwas kann man schon machen, aber nur weil im Moment der grosse Pizzicato-Hype
angesagt ist, klingen unsere Nummern nicht so. Wir wollen keine Trends abschöpfen,
sondern unser eigenes Ding machen.

KEYS: Macht Euch das Auftreten als Live-Act noch Spaß?

ROLF: Nur bis zu einer gewissen Grenze. Anfangs haben wir unsere Instrumente mit auf die Bühne
genommen und noch richtig damit rumexperimentiert. Das hat allerdings dem Publikum nicht
so gefallen: Das will letzlich die Stücke so hören, wie sie auf der Platte klingen.
Also haben wir den Anteil an richtigem Live-Spielen immer mehr reduziert.

FARID: Du kannst im Dancebereich die Sachen nie live so Spielen wie es auf Platte klingt, deshalb
kommt bei uns, wie bei allen das meiste von Band. Wir sind ein bisschen gelangweilt,
daß wir während der Auftritte immer wieder unsere eigenen Stücke hören müssen. Ich möchte nicht
wissen, wie es den Rolling Stones geht, wenn sie jahrzente lang die selben Stücke spielen.

KEYS: In Eurem zweiten Studio unterstützt und fördert ihr auch neue musikalische Talente.
Nach welchen Kriterien wählt ihr die aus?

ROLF: Wir hatten wie viele junge Leute das Glück, daß wir in den frühen 90er Jahren eine eigene
Musikrichtung mitgeprägt haben und mit dieser Musik auch gross geworden sind. Wir sind
nicht die Super-Musiker oder Super-Produzenten, wir haben für all das ein bisschen Talent,
und hätte es Techno nicht gegeben, hätten wir nie die Chance gehabt, nun vom Produzieren
leben zu können. Wir wollen ein bisschend davon an andere Talente weitergeben. Es machen
zwar zigtausende Musik, aber die Ausfallquote ist schon erschreckend hoch. Das merkt man
erst, wenn man sich mal Demo-Tapes anhört. Irgendeinen Klang zu kopieren und sich zu freuen,
wenn in der Soundcard auf Papas PC den Piccicato-Sound von Future Breeze nachmachen kann,
hat nichts damit zu tun, etwas musikalisch zu schaffen. Das verstehen die meisten Leute nicht.
Uns ist es lieber, es hat jemand auf dem Waschbrett und mit anderen Instrumenten
was zusammen geklöppelt, was interessant ist, eine gute Melodie hat und in sich schlüssig ist,
als wenn jemand eine riessen Produktion auf dem besten elektronischen Equipment fährt und
nichts dahinter steckt.



FARID: Wir sind ja mit 22 Jahren noch richtige Rotzlöffel, aber wir sind damals, als wir mit
unserer Musik angefangen haben, schon Risiken eingegangen. Wir haben einfach dieses Haus
gemietet und nur noch Musik gemacht. Die meisten, die heute Veröffentlichungen haben wollen,
setzten sich auf sichere Karten, die machen ihre Banklehre, kaufen sich teure Synthies
und verschicken bereits nach einem halben Jahr die ersten Demo-Tapes.

ROLF: Zwischendurch war es ja mal Chic auf DJ zu machen: da haben sich alle zwei Technics-Plattenspieler
und Vinylplatten gekauft. Das war für die kleinen Labels damals sehr gut, die verkauften im
Handumdrehen 2000 Stück pro Titel, und davon kann eine kleine Plattenfirma schon gut leben.
Dann wurde es Mode selbst zu produzieren: Die Plattenspieler wurden wieder verkauft, die
kleinen Labels gingen ein, ein kleines Heimstudio wurde eingerichtet und KEYS abonniert.
Ich bin schon mal auf die Gebrauchtmarktpreise gespannt, wenn die nöchste Mode kommt.

KEYS: Bei euren Stücken fallen die stets eingängigen Hooklines auf.
Habt Ihr je mit Vocalsamples gearbeitet?

FARID: Nur dieses Geträllere bei "Love Is An Ocean" war ein Sample, ansonsten haben wir alle
Vocals immer extra einsingen lassen. An die Sängerinnen sind wir immer über irgendwelche
Freunde herangekommen. Die Sängerin bei "Redemption" machte gerade eine Ausbildung zur
Opernsängerin, vielleicht machte gerade das den Reiz aus. Auf unsere aktuelle Sängerin,
die auch "Reality" gesungen hat, sind wir besonders stolz. Ein amerikanischer Produzent
meinte neulich, dass diese soulige Stimme sicherlich von einer Schwarzen stammt, womit
er sich getäuscht hat. Es ist sehr schwer vernünftige Sängerinnen zu finden; normalerweise
muß man vor dem Singen erstmal zwei Stunden über die richtige englische Aussprache diskutieren.
Mit solchen Sängerinnen kann man im Ausland schon gar keinen Erfolg haben.

KEYS: Was ist bei Euch zuerst da: die Hookline, oder das Playback?

ROLF: Wir komponieren meist ein komplettes Instrumentalstück. Bei Techno oder Trance wird
sehr stark auf energetische Sachen geachtet, es werden Spannungen erzeugt, die sich in
Noten nicht ausdrücken lassen. Die Hauptgesangslinien entstehen meist am Keyboard als
Instrumentalmelodien. Anders als bei Popmusik ist in deisem Genre Gesang nicht zwingend
erforderlich, deshalb ist es umso schwieriger, ein Stück in diesem Bereich zu schaffen,
daß ohne Gesang nicht mehr auskommt.

KEYS: Mit welchen Equipment habt Ihr Euren ersten Hit "Redemption" produziert?

ROLF: Auf einem Atari Falcon, mit Cubase Audio, was in der Anzahl der verfügbaren Spuren ganz
schön hart war. Wir hatten auch alle Gesangsaufnahmen direkt im Atari aufgenommen,
natürlich ohne Mikrofonvorstufe, Kompressor oder sonstigen Schnickschnack. Alle vier
Takte hat es dann gehangen. Ich musste also alle vier Takte per Hand einzelne Events nach
hinten verschieben, damit der Atari beim Taktwechsel nicht zuviel aufeinmal rechnen musste,
und somit am Schluss alles wieder zeitlich linear war. Allein das hat eine ganze Nacht
gedauert. Sonst waren an Redemption noch ein Roland JD-990 und D-10, ein Zoom-9010-Effekt
und ein Popel-Plastik-Mixer beteiligt. Letztendlich kannst Du mit dem einfachen Equipment
grosse Musik schaffen.

KEYS: Aber mittlerweile stellt Ihr Euch ja auch die neusten Geräte ins Studio.

ROLF: Natürlich, zur musikalischen Komponente kommt ja noch die klangästhetische. Man möchte
ja nicht einen Bontempi-Sound oder zum tausendstenmal einen Sägezahn verwenden. Wenn
man in der Musik lebt und die Möglichkeit hat, kauft man sich natürlich gute Geräte.
Die braucht man aber nicht. Wenn man verrückte Ideen hat und einfache Geräte, kann man
viel mehr erreichen, als mit einer teuren Presetschleuder, deren Sounds man schon von
zig anderen Produktionen kennt.

KEYS: Wie ich sehe habt Ihr Euch auch ein Doepfer-Modularsystem zugelegt.
Wie seid Ihr damit zufrieden?

ROLF: Die Haupteinschränkung liegt in der Monophonie, aber abgefahrene Baßabläufe mache ich
gerne damit. Die Echtzeit-Bedienung gefällt mir am besten: Man muß nicht ständig an
irgendwelchen Mini-Bildschirmen programmieren, sondern hat den Signalfluß ständig vor
Augen. Ich programmiere da lieber mit zwanzig Kabeln in zwanzig Minuten einen irren Sound,
als mich mit einem Taschenrechner-Display wie beim Roland JV-1080 abzuquälen. Ich finde
es nicht besonders kreativ, irgend ein ROM-Sample durch einen Filter zu schicken.
Da mß man schon richtig mit Ringmodulatoren, Kammfiltern, Phasern und ähnlichem arbeiten,
und das ist beim Doepfer nun wirklich einfach.



KEYS: Bei "Reality" habt Ihr erstmals eine richtige Gitarre eingesetzt...

ROLF: Ein bekanntes Stück mit Gitarre ist "Right In The Night" von Jam & Spoon. Das hatte
eigentlich eine ganz nette Melodie, aber ich fand es grauenhaft, diese Melodie auf
Sechzentel zu quantisieren und mit einem nicht moduliertem ROM-Sample zu spielen. Das
ist halt das Manko an dieser elektronisch erzeugten Musik, dß man immer ein bisschen
mehr arbeiten muß, damit etwas lebendig wirkt. Wir haben für unser Stück daher gleich echte
Gitarren genommen, und zwar eine elektrische Gitarre, die durch mehrere Effektgeräte direkt
in Logic läuft und teilweise durch eine mit Mikrophon aufgenommene Akustik-Gitarre gedoppelt ist.

KEYS: Woher nehmt ihr die Ethno-Klänge, die von Anfang an in eurer Musik auftauchten?

ROLF: Uns ging es nie um Ethno-Charakter, sondern darum, daß es ungehörte Sounds waren. Wenn
man nicht die Sounds benutzen will, die andere benutzen, aber nicht die technischen
Möglichkeiten hat, etwas eigenes zu kreieren, kommt man unweigerlich aus dem europäischen
Raum heraus. Wir haben zum Beispiel bei "Chakka Chakka" ganze Ethno-Loops verwendet,
wodurch das Stück eine ganz andere Lebendigkeit bekommt, als wenn man ein kurzes Ethno-Sample
als Sechzentel spielen würde. Die meisten Samples haben wir aus Videofilmen gezogen. Wer
achtet schon in einem englischsprachigem Film auf irgendein Ethno-Geräusch, das in einer
kleinen Szene im Hintergrund läuft? Auch Sprchsamples: Was liegt näher, als von ausgebildeten
Sprechern, die Jahrelang gelernt haben, Emotionen in Sprache auszudrücken, einfach ein
paar Worte aus Filmen abzusampeln?

KEYS: Welche Geräte benutzt Ihr am liebsten?

ROLF: Die Anschaffung des Nord Lead hat sich für uns sehr gelohnt, wobei mich allerdings stört,
daß er keine Einzelausgänge hat. Die Bedienung ist ähnlich komfortabel wie beim JD-800,
bei dem ich allerdings die Klangsynthese nicht so interessant finde. Mit dem JD-800 habe
ich nur analog-ähnliche Sounds programmiert, die aber bei den richtigen analogen Geräten
dann doch besser geglungen haben. Wir arbeiten auch mit dem JV-1080, wobei ich nie auf die
Idee kommen würde, mit diesen komischen Knöpfen und diesem Display irgend etwas Besonderes
zu programmieren. Wir helfen uns da mit externen Effektgeräten. Der Sound von "Spring" ist
ein leicht modifizierter Werkssound des JV-1080, der durch mehrere Rohrenverzerrer und
diverse Effektgeräte geschickt wurde. Dafür ist auch das Doepfer-modularsystem gut,
in dem man einen billigen Sound oder irgendeinen Loop durchschleift, da kann man schon
mit ein oder zwei Modulen sehr gute Sachen machen. Man braucht keine 12 Höheneinheiten
voller Module, es reichen ein paar ausgewählte. Den Voltage Controlled Phaser kann ich
sehr empfehlen. Wenn man ihn entsprechend ansteuert, erzeugt er Effekte, die man sonst
nirgendwo zu hören bekommt. Falls man nur ein kleines Budget hat, könnte man sich auch
nur dieses Modul kaufen, direkt an einen Einzelausgang eines Samplers oder Synthesizers
hängen und so ganz abgefahrene Sounds erzeugen. Im Physical Modelling sehe ich auch enorme
Entwicklungsmöglichkeiten. Mein Traum wäre ein Gerät, bei dem man nicht programmieren,
sondern nur modulieren kann, aber auf so extreme Art, daß ein Sound über den nächsten zu
einem ganz anderen kommt. Ich habe mir die Midi-Knopf-Belegung des Nord Lead mit Hilfe von
Logic auf den VL-1 programmiert, so kann ich alte VL-1-Parameter bequem über die Bedienoberfläche
des Nord Lead steuern. Könnte man dabei jetzt noch über einen weiteren Regler zum Beispiel
einen geblasenen Sound in einen gezupften übergehen lassen, so wie es ansatzweise im VL-1
realisiert wurde, wäre das genial. Dieser Traum liegt aber garnicht so fern. Man
müsste nur die Prozessorleistungen vervierfachen, dann könnten auch die Algorithmen
komplizierter werden, und man könnte wirklich in neue klangliche Dimensionen vorstoßen.



KEYS: Wie seid Ihr mit Eurem Mackie-Pult zufrieden?

ROLF: Unser 8-Bus Mackie hat das Beste Preis-Leistungs-Verhältnis, im Abstand zur nächsten Kategorie.
Zur Zeit sehe ich noch nicht die Rentabilität eines größeren Pults. Das Mackie Pult klingt
sehr gut und wichtig waren für mich zum einen die vollparametrischen Equalizer, zum anderen
der Klang bei Verzerrung. Viele Sounds verzerren wir direkt im Pult, und viele gute
Techno-Bassdrums, auch die anderer Produzenten, verdanken ihren Sound diesem Pult.
An einem Digitalpult würde mich reizen, daß ich an mehreren Stücken gleichzeitig arbeiten könnte.
Leider gibt es nichts zwischen dem günstigen Yamaha 02R und den Digitalpulten für Hunderttausend Mark.
Beim 02R stört mich, daß es keine Inserts oder Direct-Outs hat - für Analogpulte das einfachste
der Welt, aber für Digitale schon eine komplizierte Angelegenheit. Wir arbeiten sehr viel
mit externen Geräten, schleifen mal hier einen Kompressor ein, mal da ein Effektgerät. Das wäre
gerade bei einem digitalen Pult umso wichtiger, weil da die Verzerrung grauenvoll klingt.
Noch ein Tip für kleine Budget: der Multicom von Behringer, der an sich als Kompressor ziemlich
grässlich klingt, ist mit einer langsamen Attackphase, die man nicht verändern kann, als
Verzerrer schon wieder richtig gut. Gerade für perkussive Elemente schleifen wir den Multicom
über Insert ein, stellen auf Full Gain und verzerren so den Sound. Wir haben inzwischen
so viele Effektgeräte, daß die normalen Auxwege schon lange nicht mehr ausreichen. Deshalb
haben wir sie an einer Patchbay liegen, an der auch die Dirct-Outs, die Aux-Outs und die
Subgruppen-Outs des Pults anliegen. Möchte ich einen Stereoeffekt, was eim Mackie-Pult
aufgrund der monophonen Auxwege nicht möglich ist, lasse ich den Sound einfach über eine
Subgruppe in das Effektgerät laufen. Diese Arbeitsweise ist bei einem Digitalpult ohne
Direct-Outs unmöglich. Wobei ich keinesfalls gegen Digitale Technik bin, im Gegenteil.
Ich finde es immer dämlich, wenn Analog-Freaks sagen: "Den Nord Lead-Sound bekomme ich
mit meinem Analogen auch hin." Ein analoger ist aber immer verstimmt, man kann nichts
abspeichern und immer nur einen Sound erzeugen.




By Thomas Berger/WOB, KEYS 4/97, Photos by Thomas Berger, Archiv